1. Was andere vorher darüber ausgesagt haben

Der Nationalökonom Dr. Gerhard Kessler, 1883-1963, bis 1933 Universitätsprofessor in Leipzig, - auch korrespondierendes Mitglied der "Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte e.V." - schrieb 1932 in einer großen analysierenden Besprechung über den 1. Band der "Ahnentafeln berühmter Deutscher" zum Thema Vererbungsfragen u.a. folgendes :

"Das Studium der Vererbungsfragen wird durch das Ahnentafelwerk hoffentlich beträchtlich gefördert werden. Der Referent als Laie darf wenigstens darauf aufmerksam machen, daß der Bearbeiter der Abbeschen Ahnentafel eine Familie Hebig mit 6 Zwillingsgeburten gefunden hat, daß die Tafeln von Haeckel, Welcker, Menzel, und Röntgen auffällige Reihen erblicher Langlebigkeit zeigen und daß in vielen Fällen hervorragende Männer bedeutende mütterliche Großväter (6) gehabt haben. Zu den bekannten Beispielen Goethe, Bismarck, Friedrich Naumann, treten hier Männer wie Hardenberg, Schleiermacher, Niebuhr, der Vater Savignys [2] und dessen mütterlicher Großvater v.Cranz [10], Haeckel und sein mütterlicher Großvater Sethe [6], Ehrle, Rogge. Wenn beide Großväter bedeutende Männer waren wie bei Conrad Ferd. Meyer, Wildenbruch, Feuerbach und Billroth, so kann die Begabung des Enkels nicht überraschen; aber daß ein unbestrittenes Übergewicht des väterlichen Großvaters (4) nirgends zu erkennen ist, gibt zu denken." 1)

Sinngemäß wiederholte Dr. Johannes Hohlfeld, Geschäftsführer der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, diese aufzählende Feststellung von Gerhard Kessler ein Jahr später in seinem Aufsatz über "Deutsche Volksgenealogie" 2). Dort schreibt er, soziologisch noch ergänzend:

"Die Ahnentafeln berühmter Deutscher überraschen durch die Feststellung, daß nur einer der Probanden einen väterlichen Großvater von überragender Bedeutung aufweist, wohl aber der mütterliche Großvater überraschend häufig überdurchschnittliche Begabung zeigt. Wir erblicken in dieser Tatsache eine zur Gesetzmäßigkeit sich erhebende Regel, daß die berufliche Bindung eines Geschlechts aus sich selbst heraus nur dazu befähigt, braven, staatstreuen und wertvollen Durchschnitt zu erzeugen, daß aber erst der Einschuß anders gerichteter Begabung die Steigerung des Talents ins Genie ermöglicht".

Alle Beispiele Gerhard Kesslers hier nochmals aufzählend (ohne dabei Kesslers Namen zu nennen, den er erst später in einem anderen Zusammenhang anführt!) fügt Hohlfeld noch hinzu:

"...eine Ausnahme macht hier nur Wilhelm Wundt, dessen väterlicher Großvater dem Enkel an geistiger Bedeutung nichts nachgab, - aber dieser Großvater Wundt erbte die geistige Größe unstreitig von seiner Mutter Magdalena Charlotte Fliesen [Verwechslung! s.u.!], deren hundertprozentig akademische Ahnentafel ein genealogisches Phänomen ist."

Diese Erkenntnisse entnimmt Hohlfeld der bereits erwähnten Ahnentafelanalyse Wilhelm Wundts durch Gerhard Kessler, die dieser einen Monat vor Hohlfelds Königsberger Vortrag veröffentlicht hat 3). Es war im September 1933 für Hohlfeld wohl bereits nicht mehr "opportun" Kessler beim Namen zu nennen, da Gerhard Kessler als Professor für Soziologie (Nationalökonomie) in Leipzig, kurz vorher nach Istanbul/Türkei emigriert war.

Über Wundts Ahnentafelanalyse durch Gerhard Kessler soll im Zusammenhang mit meiner These im nachfolgenden einiges zitiert werden und dabei auch an Prof. Gerhard Kessler, einen weitgehend vergessenen großen Genealogen erinnert werden, zumal ich auch bezüglich früherer zitierter Autorenschaft hier leider etwas zu korrigieren habe (siehe unten). Zum Probanden hier nur kurz: Wilhelm Wundt, 1832-1920, war als Psychologe und Philosoph Begründer der experimentellen Psychologie und seinerzeit der führende Kopf dieser Disziplin und Schule in Leipzig.

Bevor wir noch etwas genauer auf die Ahnentafelanalyse Wilhelm Wundts durch Gerhard Kessler eingehen, seien hier noch vier weitere Aussagen zitiert. Vor allem dürfte in diesem Zusammenhang die Aussage des Historikers und bekannten Genealogen Dr. Felix v.Schroeder (1912-2003), besonderes Gewicht haben, der 1939 in einer Besprechung des 4. Bandes der "Ahnentafeln berühmter Deutscher" schreibt:

"Es ist längst kein Geheimnis mehr, daß oft gerade der mütterliche Großvater bestimmte Bezirke der inneren Gestalt berühmter Männer blutmäßig besonders stark beeinflußt hat 4)".

Im 5. Band der "AT berühmter Deutscher" (1943) erwähnt Johannes Hohlfeld dann bei der Ahnentafel des Dichters Peter Roseggers nochmals die mütterlichen Großväter wie folgt: "Einzig der ‚Mann mit der eisernen Maske' (nach H.L.Rosegger), der mütterliche Großvater, kann (oder wird sogar) Blutauffrischung in jene festgefügte Ahnenschaft gebracht haben; das wäre den Erbbiologen nur ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit der Erbanlagen mütterseitiger Großväter 5)".

Auch der namhafte Genealoge Prof. Dr. Wilhelm Karl Prinz von Isenburg (1903-1956) bemerkt in seinem kleinen Studienführer "Sippen- und Familienforschung" (1943): "daß man auch oft die Ähnlichkeit eines genialen Menschen mit seinem mütterlichen Großvater nachgewiesen hat" (S. 7).

Abschließend sei noch der bekannte österreichische Genealoge Heinz Schöny bei der Ahnentafelanalyse des Wiener Komponisten Friedrich Wildgans (1913-1965) zitiert:

Der Vater Anton Wildgans hatte seine dichterische Begabung, wie bei Dichtern in auffälligem Ausmaß, von der Mutterseite geerbt. Meist ist hier der Großvater mütterlicherseits wichtigster Überträger oder in gewissem Sinne sogar Schöpfer jener psychischen Fähigkeiten, die einen Dichter bedingen, für ihn Voraussetzung sind, natürlich abgesehen vom Intellekt an sich. Das ist schon in Goethes bekannten Vierzeiler "Vom Vater hab' ich die Statur ... vom Mütterlein ... die Lust zu fabulieren" entdeckt und festgehalten. Solche psychischen Voraussetzungen deuten sich bei den Großvätern vielfach an jenen Tätigkeiten an, die mit dem Seelischen, dem Lebendigen an sich beruflich unmittelbar zu tun haben. ... Es sind dies etwa Berufe wie Förster, Jäger, Gärtner, auch Bauern, oder Lehrer, Ärzte, Apotheker, seltener[!] merkwürdigerweise Wirte, Beamte oder Offiziere, kaum [!] Handwerker, jedoch eher[!] Kunsthandwerker oder Künstler jeder Art." (aus: Genealogie (1986), Heft 1, Seite 16).

2. Zitiertes und Kommentiertes zur AT-Analyse Wilhelm Wundts

Vor seiner gründlichen AT-Analyse erweiterte Kessler erst einmal die von Dr. med. Gottfried Roesler, Breslau, bearbeitete Ahnentafel von Wilhelm Wundt. In seiner o.g. Arbeit "Wilhelm Wundts Ahnenerbe 3)" hat Kessler Korrekturen, Ergänzungen und neue Forschungen veröffentlicht, die die Roesler'sche AT-Zusammenstellung um mehr als das Doppelte erweitern!

Neu erforscht sind hier auch zahlreiche Linien von Glaubensflüchtlingen (Hugenotten und Calvinisten), auch reformatorisch wirkende Theologen sind darunter. Dabei war es für mich überraschend, daß die rheinisch-pfälzischen Linien Fuchs (34) und Stern (69), die Kessler auch korrigiert und erweitert hatte, in verwandtschaftliche Beziehungen zu der von mir jüngst bearbeiteten berühmten hessischen Familie Orth einmünden 6). In dieser Orth-Stammtafel kommen die Fuchs (VIII 84) und Stern (IX 54) ebenfalls im pfälzischen Monzingen/Nahe vor, einem Nachbarort von Weiler, wo sich besonders viele Orths innerhalb von 7 Generationen ausbreiteten und seßhaft wurden. "Die Familie Fuchs hat in Monzingen das Oberschultheißenamt durch 5 Generationen verwaltet, und aus der Behäbigkeit des Grund- u. Weinbergbesitzes in Monzingen konnten nicht wenige Glieder und Zweige der Familie in kaufmännischen Wohlstand, akademische Ämter, Offiziers- und Beamtenadel, im 19. Jahrhundert auch ins industrielle Unternehmertum übergehen. Die Familie blüht noch heute in Deutschland wie im Ausland (Familiengeschichte von Ob.-Reg.-Rat Friedrich Fuchs, [Rockenhausen] 1930". (Kessler). Der ältest erforschte Peter Fuchs (136) schrieb sich anfangs noch Pierre Renard, war seit mindestens 1591 als wallonischer Glaubensflüchtling reformierten Bekenntnisses in Lambrecht b.Neustadt/Weinstr. ansässig und mit Rahel Arnold (137) verheiratet (Jüdin?).

In seiner gründlichen Analyse der gut erforschten AT Wilhelm Wundt schreibt Kessler zunächst nur kurz über den Vater von Wundt:

"Wundts Vater, der Pfarrer Maximilian Wundt (2), hat in dem Vaterstamme nur einen bescheidenen Platz; Roesler rühmt seine weit bekannte Güte und verschwenderische Freigebigkeit, während Zeugnisse für geistige Originalität oder wissenschaftliche Fruchtbarkeit mir nicht bekannt geworden sind". (Sp. 159f.).

Zur mütterlichen Seite der Wundt-Ahnentafel heißt es bei Kessler dann:

"Auf der mütterlichen Seite sind für die Erbforschung in erster Linie zu beachten die Familien Arnold (3, 6 usw.) und Brünings (7, 14 usw.), also die Familien der Großeltern von der Mutterseite" (...). Die Vorfahren Arnold versahen durch 4 Generationen (6, 12, 24, 48) das gleiche Verwaltungsamt in dem pfälzischen Städtchen Edenkoben und sind, drei Generationen hindurch mit Töchtern dieses Städtchens oder der nächsten Umgebung verheiratet (13, 25, 49), offenbar zu gesicherten Wohlstande gelangt. Von 1737-1846 finden sich 7 Arnold aus Edenkoben als Studenten in den Heidelberger Matrikel, darunter auch Wundts Großvater Zacharias Arnold (6), der späterhin lange als Rentner in Heidelberg lebte, und seine beiden Söhne. Einer dieser Söhne, also ein Bruder von Wundts Mutter, war der Anatom Friedrich Arnold, Professor der Medizin in Tübingen und später in Heidelberg, 1854 Prorektor der Heidelberger Universität, ein bedeutender Mann, der den Neffen zum medizinischen Studium anregte. Die Loslösung von Kleinstadt und Landwirtschaft, die die Familie Arnold vollzogen hat (...) ist offenbar bestimmt durch das Erbe der Mutter und Großmutter Susanna Brünings (7), die in die stammfeste, wirtschaftstüchtige, aber kleinstädtische Familie Arnold frisches Blut aus einer wesentlich andersartigen Familie brachte. Diese mütterliche Großmutter Wundts (7) hatte einen Heidelberger Pfarrer und Kirchenrat zum Vater (14), einen Heidelberger Universitätsprofessor und Pfarrer, Christian Brünings (28) zum Großvater. Christian Brünings, 1755/56 Rektor der Heidelberger Universität, entstammte einem Bremer Geschlecht, das 1599 [!] mit Rendich Brünings (+ 1625) zum ersten Male in den Rat der Stadt eintrat, mit dem Präzeptor am Bremer Pädagogium Brüning Brünings 1587 anscheinend zum ersten Male einen Akademiker stellte (...) und das seit 1650 in den deutschen und niederländischen Universitätsmatrikeln häufiger auftritt (Groningen 1651, Königsberg 1662, Heidelberg 1667, Marburg 1687, 1711. (...) In der Pfalz sind von 1670 bis heute 12 Brünings Pfarrer gewesen. Man darf annehmen, daß diese tatkräftige hanseatische Familie, die Zweige nach der Pfalz und Amsterdam trieb, mit Wundts Großmutter Susanna Brünings (7) jene Belebung in die Kleinstädterfamilie Arnold trug, die zwei Arnoldsche Söhne auf die Hochschule führte und die durch die Mutter (3) auch auf Wilhelm Wundt weiterwirkte." (Sp. 158f.).

Nach den Erkenntnissen der Genetik sind die mütterlichen Großeltern (6) und (7) eines AT-Probanden hinsichtlich der X-chromosomalen Erbwahrscheinlichkeit jedoch gleichwertig 7). Nur wurden früher aufgrund der patriarchalisch geprägten Gesellschaft (z.B. Schranken für Frauen beim Studium) die geistigen Eigenschaften der Frauen nicht so ausgebildet, daß sie überliefert bzw. wissenschaftlich fruchtbar werden konnten.

Doch auch zu Wundts väterlicher Ahnentafelseite sei hier noch weiteres zitiert, was letztlich auch an diesem Deszendenz-Beispiel meine These durch die erforschten Töchternachkommenschaften aus zeitlich umgekehrtem Blickwinkel untermauert. Kessler schreibt wohlabwägend und vorsichtig:

"Wenn ich Wundts Urgroßmutter Maria Modesta Mieg (9) unter allen Voreltern der IV. Generation für die wichtigste Vermittlerin geistiger Begabungen glaube ansehen zu dürfen, so wird diese These außer durch die erstaunliche Fülle von Begabungen auf ihrer Ahnentafel auch noch durch eine zweite Feststellung gestützt, die hier anzufügen ist. Eine Schwester der Maria Modesta Mieg (9) nämlich, die gleiches Blutserbe wie sie empfing, ist die Stammutter einer anderen Gruppe hochbedeutender Männer geworden. Elisabeth Adelheid Mieg (* Marburg 18.V.1698) heiratete 1715 den reformierten Theologen Abraham de Marees (1685-1760), einen Hugenottensohn, der als Superintendent in Dessau gestorben ist. In der weit ausgebreiteten Nachkommenschaft dieses Paares de Marees 8 Mieg finden wir den Maler Hans von Marees, den Berliner Historiker Friedrich Raumer (1781-1873), den Erlanger Naturforscher Karl von Raumer (1783-1865), das Mitglied der Paulskirche Hans von Raumer (1820-1851), den Kieler Mediziner Arnold Heller (* 1840), den Marburger Gynäkologen Friedrich Ahlfeld (1843-1929), den Reichswirtschaftsminister Hans von Raumer (* 1870), den Göttinger Theologen Carl Stange (* 1870), nicht zuletzt den großen politischen Denker D. Friedrich Naumann (1860-1919). Bei allen diesen Persönlichkeiten wirkt selbstverständlich auch anderes Blutserbe mit; aber daß zwei Schwestern Mieg so geistig fruchtbare Nachkommenschaft hinterlassen haben, ist ohne das reiche Ahnenerbe, das sie in sich trugen, nicht zu erklären. Es wird Aufgabe weiterer Erbforschung sein, den Nachkommen der anderen Miegschen Geschwister aus jener Generation nachzugehen (das Ehepaar Ludwig Christian Mieg (18) 8 Lousise Catharina Pauli (19) hinterließ 3 Söhne und 5 Töchter). Bei der entscheidenden Bedeutung, die die Urgroßeltern (9) Maria Modesta Mieg 8 Wundt offenbar für die Begabung Wilhelm Wundts gehabt hat, verdienen die 7 Gelehrtenfamilien, denen sie in 4 Generationen entsproß, besonderes Interesse (zweimal Mieg; Schloer, Strasburg, Camerarius; Pauli, Curicke, Tossanus). Die Familie Mieg erscheint wie die Familien Wundt, Tossanus und Umbscheiden zweimal auf Wundts Ahnentafel; er verdankt ihr besonders viel." (Sp. 163 f.).

Das ergibt sich in Wundts AT durch das Halbgeschwisterpaar (gemeinsamer Vater):

  • Wundt: 16 und 23
    und die 3 Vollgeschwisterpaare:
  • Umbscheiden: 44 und 47
  • Mieg : 72 und 79
  • Tossanus: 156 und 294

 

Interessierten Lesern sei nahegelegt, die verwandtschaftlichen Verflechtungen grafisch aufzuzeichnen, die durch diese 4 Geschwisterpaare eindeutig festgelegt sind 8).

Das führt jeweils zu den beiden doppelten Verwandtenehen: Wundt ∞ Fliesen 4/5 und Mieg ∞ Pauli 18/19 und der Vetter-Base-Ehe Umbscheiden ∞ Wundt 22/23. Der Implex ("Ahnenverlust") beschränkt sich damit ausschließlich auf die väterliche AT-Seite und hat damit in der 512er Reihe (9. Ahnengeneration) den quantitativen Kennwert ik = 8,2 % (bezogen auf die gesamte AT) 9).

Besserwisserisch postulierte Johannes Hohlfeld dagegen erstaunlich vereinfacht und noch personenverwechseld dazu: "aber dieser Großvater Wundt erbte die geistige Größe unstreitig von seiner Mutter Magdalena Charlotte Fliesen, deren hundertprozentig akademische Ahnentafel ein genealogisches Phänomen ist" (Sp.254). Hier verwechselte Hohlfeld ganz offensichtlich die Personen, denn nicht diese Großmutter Fliesen (5), sondern die Urgroßmutter Maria Modesta Mieg (9), deren Ahnenschaft Kessler oben skizziert hat, ist die Mutter von Wundts Großvater (4), und nur sie(!) kann man "100 %ig akademisch" nennen. Die Ahnenschaft der Großmutter Fliesen (5) verdient indessen diese Qualität nicht, zumal ihre Ahnenschaft relativ tiefe Forschungslücken im Handwerkerbereich aufweist.

Bei Maria Modesta Mieg (9), kommt Kessler aufgrund seiner Forschungen tatsächlich zu einer imponierenden Aussage über eine "Akademiker-Konzentration", die Hohlfeld als "genealogisches Phänomen" sehr irritierend der Großmutter Fliesen zugeschrieben hat.

Kessler schreibt: "Die Ahnentafel dieser Wundtschen Urgroßmutter Maria Modesta Mieg (9) 8 Wundt verdient ein besonderes Studium. (...) Durch 4 Generationen hat diese Urgroßmutter Wilhelm Wundts also nicht einen einzigen Vorfahren außerhalb der akademischen Welt, und unter diesen 15 Gelehrten waren nicht weniger als 6 Hochschullehrer (18 [Mieg], 36[Mieg], 38[Pauli], 76[Pauli], 78[Toussain], 148[Strasburg])! Dabei kommt der Zusammenstrom dieses Blutes aus vielen Stämmen: die Familie Mieg stammt aus Straßburg, Schloer aus Kaiserslautern, Strasburg aus Freiberg in Sachsen, Camerarius aus Nürnberg und Bamberg, Pauli und Curicke aus Danzig, Toussain aus Französisch-Lothringen". (Sp. 163).

3. Die "x-chromosomale These" im Lichte neuzeitlicher GeneTalogie

Meine These, die im Titel dieses Aufsatzes steht, wurde zuerst Anfang 1989 in der genealogischen Vereinszeitschrift "Quellen und Forschungen" (Aurich) veröffentlicht 13) und dann 1990 in meiner Arbeit über die Ahnenschaft Bismarcks im "Archiv für Sippenforschung" unter Hinweis auf weitere Personen wiederholt 10c). Bezüglich näherer Einzelheiten zur X-chromosomalen Erbwahrscheinlichkeits - Statistik im Rahmen der Genealogie (= GeneTalogie) muß auf meine früheren Arbeiten verwiesen werden 10).

Gewiß hätte Hohlfeld wegen seiner Verwechslung die "Erkenntnis kränken müssen", daß weder die väterliche Urgroßmutter Mieg (9) noch die Großmutter Fliesen (5) in X-chromosomaler Hinsicht als Erbüberträger in Frage kommen können. Wobei hier natürlich nicht etwa der Eindruck erweckt werden soll, daß diese väterlichen Ahnen gar keinen Beitrag zur "geistigen Größe" Wundts geleistet haben könnten. Es ist nur so, daß diese väterlichen Ahnfrauen, wie auch ihre männlichen Ehepartner von der "Zufallslotterie" der genetischen Merkmalsvererbung in X-chromosomaler (!) Hinsicht aufgrund ihrer besonderen Stellung zu Wilhelm Wundt nicht in Frage kommen. Der blinde Zufallsmechanismus der Vererbung (Rekombination bei der sog. Reifeteilung = Meiose) wird hier für die Gene des X-Chromosoms durch eine scheinbare Eigengesetzlichkeit unterbrochen: Die Vererbung bei einer Vater-Tochter-Filiation muß mit Notwendigkeit erfolgen, da diese Vererbung ja die weibliche Geschlechtsbestimmung selbst ist (Geschlechtsvererbung durch die X-Chromosomen-Vererbung). Bei einer Vater-Sohn-Filiation scheidet diese X-chromosomale Übertragung dagegen mit Notwendigkeit aus, da der "Zufall" hier das männliche Geschlecht in Form des Y-Chromosoms "erwürfelt hat". So einfach ist das!-

Für Wundts Schwestern als weibliche Probanden(!), die es freilich nicht gab, wäre die "elitäre" Urgroßmutter Mieg (9) X-chromosomal ausgeschlossen; und zwar wegen der Sohn (4)-Enkelsohn (2)-"Blockade", da das X-Chromosom von (4), das er von (9) geerbt hat, "verloren geht"! Die väterliche Großmutter (5) hätte hier dann aber eine doppelt so große Erbwahrscheinlichkeit (= 100%, also "mit Bestimmheit"!)" als die mütterlichen Großeltern (6) und (7), die hier jeweils "nur" mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % also "halbe-halbe" beim schicksalhaften "Würfelspiel" (= Zufalls-Kausalität) vertreten sind. In meiner Arbeit von 1979 sprach ich bei unterschiedlicher Erbwahrscheinlichkeit innerhalb der gleichen Generation, von "Disproportionierung" (S. 100).

Diese Gesetzmäßigkeit bei der geschlechtsgebundenen Vererbung mag wohl auch der wahre Kern der Volksweisheit sein, "daß die Söhne ihren Müttern [geistig] ähneln, während die andere Aussage, "daß die Töchtern ihren Väter ähneln" danach im Mittel nur zu 50 % zutreffen dürfte.

Wie gesagt, können - ganz allgemein! - auch die Großmutter (5) und Urgroßmutter (9) geistige Eigenschaften durch ihre nicht geschlechtsgebundenen Chromosomen (Autosomen) an den männlichen AT-Probanden vererben. Es soll aber nach neusten humangenetischen Forschungen (siehe unten) die Rate der Intelligenz-Gene auf dem X-Chromosom rund dreimal so hoch sein wie jene auf den zahlreich übrigen Chromosomen (Autosomen). Auf diese quantitativen Erbwahrscheinlichkeits - Verhältnisse habe ich schon 1979 hingewiesen 7) und komme unten nochmals kurz darauf zurück (siehe jetzt auch unter www.genetalogie.de ).

Vielleicht unterließ der in Leipzig sonst sehr rührig und verdienstvoll wirkende Hohlfeld es als Geschäftsführer der "Zentralstelle" hier aus politischen Gründen, die Autorenschaft von Gerhard Kessler zu nennen. Oder sah er in Kessler vielleicht auch einen aufkommenden Rivalen in der Zentralstelle? Denn im nächsten Absatz nennt Hohlfeld ihn in einer Einlassung kritisch beim Namen, und stellt den "Einzeluntersuchungen" Kesslers seine von ihm (Hohlfeld) geforderte "systematische Forschung vom Standtpunkt der Bevölkerungsgeschichte" entgegen, "um zu allgemeinen Erkenntnissen über die klassengeschichtliche Schichtung unseres Volkes zu kommen".-

Es überrascht allerdings - oder vielleicht auch aufgrund des Inhalts nicht! -, daß Kesslers weitere genealogische Arbeit "Judentaufen und judenchristliche Familien in Ostpreußen" noch 1938 (!) in den "Familiengeschichtlichen Blättern" als 3-teilige Fortsetzungsreihe unter dem Namen "Dr. Gerhard Kessler, Professor der Soziologie an der Universität Istanbul" erscheinen durfte, lediglich das 4. Endkapitel wurde dann "aus redaktionellen Gründen" [!] nicht mehr veröffentlicht 11).

Eine weitere wertvolle bisher kaum beachtete interdisziplinäre Grundlagenarbeit ist Gerhard Kesslers Vortrag "Genealogie und Wirtschaftsgeschichte" auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der familien- und wappenkundlichen Vereine in Leipzig 1931, der im gleichen Jahr im "Archiv für Kulturgeschichte" - also an recht entlegener Stelle! - veröffentlicht worden ist 12).

Ich bedaudere es, daß ich Kesslers bemerkenswerte statistischen Aussagen aus dem 1. Band der "Ahnentafeln berühmter Deutscher" (1932) , die er noch im gleichen Jahr 1932 veröffentlichte, irrtümlich Johannes Hohlfeld zuschrieb, da ich damals (1989) 13) nur Hohlfelds Arbeit "Deutsche Volksgenealogie" von 1933, aber nicht Kesslers Besprechung der "Ahnentafeln berühmter Deutscher" von 1932 kannte 1). Auch in meinem Buch "Die Geisteskrankheit der bayerischen Könige Ludwig II. und Otto" von 1997 wiederholte ich diese Befunde leider nochmals fälschlich unter dem Namen von Hohlfeld 14).

Im "Königsbuch" bringe ich vor allem zahlreiche Beispiele, wo die Vererbung sich in negativer geistiger Hinsicht auf X-chromosomalen Vererbungslinien ausgewirkt haben dürfte. Wie ein roter Faden durchzieht meine "These" vor allem im negativen Sinne bezüglich mutmaßlicher Krankheitsüberträger das ganze Buch (S. 10, 20, 34, 55, 73, 132, 134, 137, 142, 153; Anm. 75e). Dort werden mittels eines EDV-Programms, das Weert Meyer, Leer, entwickelt hat, alle Ahnen der beiden Königsbrüder bis zur 14. Ahnengeneration (!) hinsichtlich ihrer autosomalen und X-chromosomalen biologischen Verwandtschaftsgrade in eine große Erwahrscheinlichkeitsliste ("Ranking") gebracht (Anhang: Gesamtstatistik S. 193-220). Es dürfte wohl die bisher größte durchgeführte biomathematische Berechung dieser Art überhaupt sein.

Auf die genetische Basis meiner These von der "besonderen Mittlerrolle X-chromosomaler Gene bei der Ausprägung geistiger Eigenschaften", die sog. "geschlechtsgebundene" Vererbung kann - wie oben gesagt - hier nicht eingegangen werden. Es muß nach diesem "Thesen-Spezifischen" auf meine Arbeit von 1979 im "Archiv für Sippenforschung" verwiesen werden 7), die auch in meiner GeneTalogie-Internetseite www.genetalogie.de zu finden ist. Dort ist aber noch nichts über qualitative (geistige) Eigenschaften ausgesagt, sondern es sind nur die unterschiedlichen Erbwahrscheinlichkeiten innerhalb der Ahnentafelstruktur (Ahnentafelplätze) aufgezeigt. Und zwar mit dem Befund unterschiedlicher Erbwahrscheinlichkeiten innerhalb ein und derselben Generation! ("Disproportionierung" ). Dabei werden die Unterschiede von Generation zu Generation immer größer und es kommen auch immer mehr Ahnentafelplätze vor, wo eine X-chromosomale Vererbung ganz ausgeschlossen ist.

Erst das gründliche Studium der Ahnentafel von Otto von Bismarck, das in der o.g Bismarck-Arbeit gipfelte 10c), die ebenfalls in der o.g. GeneTalogie-Internetseite www.genetalogie.de zu finden ist, und Analysen weiterer Ahnentafeln, wie z.B. von Friedrich dem Großen und von "Duodezfürst" Karl Edzard Cirksena ( Fürst von Ostfriesland) 13), Kronprinz Rudolf von Österreich, aber auch Goethes Ahnentafel, erregten hinsichtlich der X-chromosomalen Vererbungslinien mein besonderes Interesse, da sie sich als "geistige Schicksalslinien" darboten; und zwar im positiven wie im negativen Sinne. Dies führte dann auch zu qualitativen Aussagen, die ich mit Aussagen anderer Genealogen in Zusammenhang brachte. Dabei fiel auf, daß besonders die Ahnentafelplätze mit der Ahnen-Nr. 106, die durch wechselnde (alternierende) Abstammungen Mann(1)-Frau(3)-Mann(6)-Frau (13)-Mann (26)- Frau (53) -Mann (106) gekennzeichnet sind, oft eine herausragende Stellung aufweisen. Sie überraschen qualitativ durch positive oder negative Eigenschaften! Das ist aber gerade die Filiationskette dreier(!) mütterlicher Großväter! 15) Zahlreiche historische Beispiele sind im "Königsbuch" aufgeführt.

Alle diese Befunde lassen sich aber genetisch nur mit der Tatsache erklären, daß den X-chromosomalen Gene eine besondere Bedeutung hinsichtlich geistiger Eigenschaften zukommt ("Intelligenz-Gene"). Auf diese Befunde wurde schon vor 10 Jahren auch von Genetikern in der angesehenen britischen medizinischen Fachzeitschrift LANCET hingewiesen 16). Diese Untersuchungen gründeten sich allerdings damals auf das recht kleine genealogische Datenmaterial einiger bekannter englischer Gelehrten (z.B. Charles und Erasmus Darwin, Josiah Wedgwood und Francis Galton).

Schlagzeilen machte dieses "Phänomen" jedoch erst vor 5 Jahren auch in der allgemeinen deutschen Presse, als Prof. Horst Hameister und sein Team von der Abteilung Humangenetik an der Universität Ulm feststellte, daß die Rate der Intelligenzgene auf dem X-Chromosom rund dreimal so hoch ist wie jene auf den nicht geschlechtsgebundenen Chromosomen (Autosomen). Zum Beispiel titelte die F.A.Z. damals gleich etwas reißerisch " Intelligenz als Frauensache. Gene für geistige Fitneß überwiegend auf dem X-Chromosom 17)".

In meinem "Königsbuch" wies ich auch bereits darauf hin, daß die Ahnentafel Goethes "ein weiteres Musterbeispiel zur Untermauerung dieser X-chromosomalen Hypothese zu sein scheint" (S. 154). Aus dem genealogischen Handschriften-Nachlaß von Prof. Siegfried Rösch und anderen jahrelang gesammelten Genealogien war es seit langem dann meine Absicht, vor allem aus jenem Grunde, die Stammtafel des dreifachen Goethe-Ahnen Antonius Orth (Marburger Krämer und Bürgermeister, + um 1490), aufzustellen, der dreimal in Goethes Ahnentafel vorkommt und von dem eine große Zahl hessischer Gelehrten ausgeht. Dieses Ziel habe ich wohl Anfang 2006 mit einem Stammtafel-Entwurf, der ca. 1200 Orth-Namensträger umfaßt, erreicht, wenn auch eine Orth-Monographie, die auch einen Ausblick auf die Töchternachkommen bietet, noch aussteht 6). Dann erst wird der interdisziplinäre Erkenntniswert aufgrund der Töchternachkommen, die partiell schon recht gut erforscht sind, ersichtlich werden. Eine Liste von Ahnengemeinschaften mit Goethe über gemeinsame Goethe-Ahnen einerseits und "Lexikonberühmtheiten" (aber auch Genealogen!) andererseits, habe ich in unserer Goethe-Genealogie-Internetsetie www.goethe-genealogie.de unter "Ahnengemeinschaften mit Goethe zusammengestellt. Mehr als das Doppelte dieser Goethe-Ahnengemeinschaften führen dort über Orth-Namensträger oder deren Töchternachkommen (59 von 111). Aus der Vielzahl der aufgeführten Genealogen wird deutlich, welche wertvollen wissenschaftlichen Beiträge private Familienforscher zu leisten vermögen, vor allem wenn sie zusätzlich durch die Möglichkeit motiviert sind, evtl. zu Geistesgrößen Ahnengemeinschaften herstellen zu können!

Es sei hier vorgeschlagen, eine Orth-Gesamtnachkommentafel - wohl am besten als Teamarbeit - zu erstellen, ähnlich wie es Siegfried Rösch mit der Zusammenstellung der Gesamtnachkommenschaft des Adam Poff (Buff) (Schuhmachermeister in Butzbach, + 1574) in seinem Buch "Die Familie Buff" (1953, Erg. 1955) geleistet hat. Die von mir zusammengestellte Orth-Stammtafel kann auch bereits als Ergänzung zu Siegfried Röschs großem Buch "Goethes Verwandtschaft 18)" aufgefaßt werden, wo zu den dort zusammengestellten ca. 4200 Goethe-Verwandten nun nochmals durch die Orth-Stammtafel ca. 1200 Goethe-Verwandte hinzukommen, wenn zunächst auch nur ausschließlich Orth-Namensträger .

Der Veröffentlichung der Orth-Stammtafel möchte ich einen programmatischen Artikel mit dem Titel "Die patrilineare Stammtafel - ein Auslaufmodell? Gedanken über Stammtafeln im allgemeinen und über die Marburger ORTH- (und GOETHE-) Familie im besonderen" vorausschicken, in dem ich den besonderen Stellenwert der Stammtafeln, ganz gleich in welcher Darstellungsform, vor allem auch aus ordnungswissenschaftlichen Gründen, für die Erstellung gut erforschter, also sehr großer genealogischer Nachkommentafel, klarlegen und favorisieren möchte. Und zwar der neuen Familiennamensgesetzgebung zum Trotze, sowie auch den oft vernehmlichen Einlassungen zum Trotze, daß die patrilineare Stammtafel in Zeiten der neueren genetischen Erkenntnisse ein "Auslaufmodell" sei, da sie den biologischen Stellenwert der Frauen nicht gerecht werden könne. Aber gerade hierzu glaube ich als Verfechter einer doch "frauenfreundlichen" These zur Klärung und "Versöhnung" einiges aus geneTalogischer Sicht beitragen zu können und zu müssen. Schließlich liefern die neuen geneTalogischen Erkenntnisse auch eine Erklärung für die ältere Aussage: "Das Genie der Frau liegt in ihren Söhnen" (Ernst Kretschmer) 19), wobei ich meine sehr geschätzten Leserinnen bitten möchte, diese Feststellung im allerfrauen-freundlichsten Sinne des Wortes auffassen zu wollen.-

Für interdisziplinär orientierte Leser, die sich für die neusten Ergebnisse der X-chromosomalen Genetik interessieren, sind die nachfolgenden Wissenschafts-Links angegeben 20).


nach oben

Anmerkungen:

1)

In : Familiengeschichtliche Blätter (1932), Jg. 30, H. 4/5, Sp. 89-96: Ahnentafeln berühmter Deutscher angezeigt von Prof. Gerhard Kessler, Leipzig (Zitat Sp. 94, "mütterliche" dort gesperrt gedruckt, der Fettdruck stammt vom Autor A.R.).

2)

In : Familiengeschichtliche Blätter (1933), Jg. 31, H. 10/11, Sp. 241-256: Deutsche Volksgenealogie (Vortrag vor dem Gesamtverein Deutscher Geschichts- und Altertumsvereine in Königsberg i. Pr. 5. Sept. 1933 von Dr. Johannes Hohlfeld, Leipzig.

(Zitat: Sp. 253).

3)

In: Familiengeschichtliche Blätter (1933), Jg. 31, H. 7/8 (Juli/Aug.), Sp. 145-170: Wilhelm Wundts Ahnenerbe von Prof. Gerhard Kessler, Leipzig.

4)

In: Familiengeschichtliche Blätter (1939), Jg. 37, H. 1, Sp. 29-35 (Zitat: Sp. 33).

5)

"Ahnentafeln berühmter Deutscher", 5. Folge, 12. Lieferung, Leipzig 1943. dort: Ahnentafel des Dichters Peter Rosegger, bearbeitet von Dr. Johannes Hohlfeld, Leipzig und Dr. Heinz Schöny, Wien; Zitat: Seite 287 [7].

6)

Arndt Richter: Entwurf einer Stammliste zur Marburger Familie ORTH, mit Registern zu Quellen, Namen und Orten, als WORD-Dokument, insgesamt 103 Seiten, Januar 2006 (noch nicht veröffentlicht). Hier ist vom Autor beabsichtigt, vorher eine kleine ordnungswissenschaftliche Arbeit zu veröffentlichen; sie ist betitelt: "Genealogie als Ordnungswissenschaft (Nachfahrenschaft/Stammliste) - Gedanken vor der Veröffentlichung der großen ORTH-Stamm-Liste (Marburg/Hessen) von Prof. Dr. Siegfried Rösch (+ 1984) und Arndt Richter".

7)

Arndt Richter: Erbmäßig bevorzugte Vorfahrenlinien bei zweigeschlechtigen Lebewesen; in: Archiv für Sippenforschung (1979), H. 74, S. 96-109 (b-Wert-Liste Abb.2, S. 106).

8)

Zur erklärenden Anleitung siehe dazu: in meinem "Königsbuch" (siehe Anm. 14) Kapitel IX: Die Verschwisterungsliste (VSL) als Schlüssel (S. 60-64).

9)

Zur Implex-Berechnung siehe:

Arndt Richter: Verwandtschafts- und Implexberechnungen; in: Computergenealogie (1987), H. 7, S. 186-191 und Weert Meyer u. Arndt Richter: Richtige Vergleichswerte beim "Ahnenverlust" (Implex); in: Hessische Familienkunde (2002), H. 4, Sp. 251-261. Eine umfangreiche Implex-Literatur-Zusammenstellung findet man in meiner Internetseite
    www.genetalogie.de unter:
"Über innere Verwandtschaft - Weitverzweigt und eng verflochten!"

10)

a) siehe Anm. 7)

b) Felix von Schroeder, Dr.: Über den Erbgang des X-Chromosoms in der Ahnentafel; in: Der Herold (1980), H. 9, S. 295-296 (Besprechung von a)! ).

c) Arndt Richter: Eine "Prachtgestalt" in Bismarcks Ahnentafel - Aus der Ideengeschichte einer Wissenschaft; in: Archiv für Sippenforschung (1990/1991), H. 120, S. 537-567, dort besonders die Kapitel 6 (Stammtafel-Genealogie = "y-chromosomale Genealogie" , S. 555f. ) und 7 ("x-chromosomale" Genealogie am Beispiel von Bismarcks Ahnentafel, S. 556-559).

d) siehe Anm. 14) ("Königsbuch"), dort insbes. Kapitel X: Die bayerische Königsahnentafel, die Bienenahnentafel und x-chromosomale Vererbung.

11)

In: Familiengeschichtliche Blätter (1938), H. 8 -H. 11, Sp. 201-232, 261-272, 297-306.

Das 4. Kapitel ist nur in einem Sonderdruck des gesamten Aufsatzes gedruckt worden, der seinerzeit den Abonnenten nur auf Anforderung zugänglich gemacht worden ist. Frau Martina Wermes vom Sächsischen Staatsarchiv Leipzig hat mir im Dez. 2004 freundlicherweise davon eine Kopie geschickt.

12)

"Archiv für Kulturgeschichte" (1931), Bd. XXII, Heft 2 (B.G. Teubner, Leipzig); 1932 erschien dieser Vortrag Kesslers auch noch als Sonderdruck in der Leipziger Zentralstellen-Reihe der "Flugschriften für Familiengeschichte" als Heft 21, 40 Seiten. Von zahlreichen anderen genealogischen Arbeiten Kesslers sei hier nur noch Heft 53 der "Mitteilungen der Zentralstelle" genannt: "Die Familiennamen der Juden in Deutschland". "Kessler war als SPD-Mitglied Kandidat bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 gewesen, danach verhaftet worden, nach der Freilassung untergetaucht und emigriert. 1951 kehrte er in die Bundesrepublik Deutschland zurück und erhielt 1954 das Große Bundesverdienstkreuz" (lt. Volkmar Weiß in: Genealogie (2000), H.3-4, S. 80, Anm. 47) Während des Exils arbeitete er politisch mit Ernst Reuter, dem späteren Regierenden Bürgermeister von Berlin, zusammen. Kesslers Lebensdaten lt. Waldemar Schupp; in: Herold-Jahrbuch (2004), S. 158):

"* 24.8.1883, + 14.8.1963; Dr. phil., Nationalökonom, Prof. für Soziologie in Leipzig, dann in Istanbul, zuletzt in Göttingen.Vierter [Zentralstellen-]Beisitzer 17.3.1932-21.6.1933; dort seit 22.3.1935 [Schreibfehler?] Korrespondierendes Mitglied"

13)

Arndt Richter: Genealogisch-schaubildlicher Streifzug von Friedrich dem Großen zu Karl Edzard Cirksena. Mit neuen Gedanken zum Niedergang der europäischen Dynastien; in: Quellen und Forschungen zur ostfriesischen Familien- und Wappenkunde (1989), H. 1, Jg. 38, S. 7-20, Aurich/Ostfriesland (dort insbes. S. 11 u. S. 20, Anm. 14 u. 15).

14)

Arndt Richter: Die Geisteskrankheit der bayerischen König Ludwig II. und Otto. Eine interdisziplinäre Ahnenstudie mittels Genealogie und Statistik mit einer EDV-Programmbeschreibung von Weert Meyer, 220 Seiten, 45 Abb. Personen- und Sachregister, Neustadt/Aisch 1997 (Verlag Degener); Falschzitierung S. 34 u. S. 157, Anm. 27.

15)

Arndt Richter: "Königsbuch" siehe Anm. 14), dort Seite 34, S. 55 u.57 u. S. 159 (Anm.41).

16)

Gillian Turner, Newcastle/Australia: Intelligence and the X Chromosome; in The Lancet, Vol. 347, 29 June 1996, p. 1814-1815

17)

F.A.Z. vom 19.12.2001

18)

Siegfried Rösch, Prof. Dr. : Goethes Verwandtschaft. Versuch einer Gesamtverwandtschaftstafel mit Gedanken zu deren Theorie. Neustadt/Aisch 1956 (Verlag Degener), 80 S. (Teil A) und 460 S. (Teil B), mit zahlreichen Tabellen und Grafiken

19)

Ernst Kretschmer, Psychiater, 1888-1964, wurde insbes. bekannt durch seine Konstitutionstypologie (Körperbau und Charakter). Der Kretschmer-Satz am Schluß sei hier vervollständigt: "... d.h. was eine Frau als Trägerin wichtiger Erbmassen, an bedeutenden geistigen Anlagen in sich hat, das kann in ihren Söhnen zu voller soziologischer Auswirkung kommen, wie das Beispiel von Goethes Mutter zeigt". Aus: "Geniale Menschen", 1958 (Springer-Verlag), 5. Auflage, 311 Seiten (Zitat: S. 152). In einer "geneTalogischen" Analyse der mütterlichen Großmutter Goethes, Anna Margaretha Textor, geb. Lindheimer (1711-1783), will ich dazu demnächst einschlägige Belege liefern, vor allem auch anhand des Ahnenimplex, bewirkt durch die Familien ORTH , Marburg/Lahn und SCHRÖDER, Schwarzenborn/ Hessen).

20)

In meinem unter Anm. 14) genannten "Königsbuch" hatte ich auf Seite 70f. bereits über die Wissenschaftsgeschichte zur Erforschung des X-Chromosoms berichtet und dort den damaligen Stand (1992) an erforschten X-Chromosomalen Krankheitsgenen mit 111 angegeben.

Eine Übersicht über die aktuelle (meist englischsprachige) Literatur zu X-chromosomalen Erkrankungen mit geistiger Behinderung findet sich über:
www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?CMD=Display&DB=pubmed
(Suchbegriff "MENTAL RETARDATION, X-LINKED").

Lesenswert sind zwei neuere Arbeiten von Prof. H.-H. Ropers, Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin:
Molekulare Ursachen genetisch bedingter kognitiver Störungen
sowie
X-linked mental retardation (mit Ben C. Hamel, Nijmegen).


Arndt Richter

Letzte Ergänzung: München, 2006-04-13.


nach oben